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Angrasen und die gefürchtete Rehe-Gefahr - Fruktan als Risikofaktor

Die ersten Sonnenstrahlen verschönerten uns in den letzten Tagen die Natur. Das Gras wird immer grüner und viele Pferdebesitzer freuen sich auf die anstehende Koppelsaison. Doch ganz so ungefährlich ist das schöne „Grün“ nicht für unsere Pferde. Denn das heutige Gras hat nichts mehr mit dem Steppengras von früher zu tun, die meisten Pferde weiden heute auf ehemaligen Rinderweiden, welche einen erhöhten Eiweiß-und Zuckergehalt haben, da Rinder ja als Milchlieferant diese ganzen Nährstoffe benötigten, um Milch zu geben. Diese sogenannten Hochleistungsgräser können jedoch vom Pferdedarm nicht verarbeiteter werden und stören somit das bakterielle Gleichgewicht dessen enorm  und genau das kann zu einer Hufrehe führen. Aber was ist eine Hufrehe überhaupt? Und Nein, es hat nichts mit Bambi zu tun. Hufrehe ist die Bezeichnung einer entstandenen Entzündung im Huf, die durch Endotoxine (Giftstoffe) entsteht und im Huf teilweise dramatische Veränderungen hervorrufen kann. Durch eine Laminitis (Entzündung der Huflederhaut) schwillt die Huflederhaut an und es kommt zu einer Störung der Blutzirkulation und damit einer Unterversorgung der Hufstrukturen, was wiederum zu einer Lockerung der Hufbeinträgers führen kann und im schlimmsten Fall zur Absenkung, Drehung oder sogar dem Durchbruch des Hufbeins durch die Sohle -  das ist natürlich alles sehr schmerzhaft und führt zu großem Druckschmerz beim Pferd  - in manchen Fällen kann dem Pferd dann nicht mehr geholfen werden.

 

Rehe kann natürlich auch durch Belastung entstehen oder auch als Begleiterscheinung von anderen Erkrankungen vorkommen wie zB Stoffwechselerkrankungen (EMS/Cushing) - bis ins Detail ist dies wissenschaftlich noch nicht vollkommen geklärt. Fest steht jedoch, dass eine der häufigsten Ursachen durch falsches / zu viel (An-)Grasen von Pferden besteht. Einfach erklärt ist hier das Enzym Fruktan verantwortlich für Reheschübe. Dieses wird vor allem bei kalten Temperaturen in Verbindung mit Sonnenschein gebildet, weshalb das Frühjahr (April, Mai) und der Herbst (Oktober, November) als besonders gefährliche Zeit für rehe-anfällige Pferde gelten! Fruktan führt somit zu einer starken Vermehrung der kohlehydratspaltenden Bakterien im Dickdarm und zu einer Freisetzung von Milchsäuren, die wiederum den pH-Wert im Dickdarm sinken lassen. Hierbei sterben wichtige rohfaserverdauende Bakterien ab und wie oben erwähnt, werden Endotoxine freigesetzt, welche über den Blutkreislauf feine Blutgerinsel hervorrufen, die Durchblutung stören und zur Laminitis führen können. 

 

Da Fruktan hauptsächlich im Stängel der Pflanze gebildet wird, bedeuten Wiesen mit kurzem Gras - abgefressen oder gemäht eine erhöhte Gefahr, da diese Pflanzen dann mehr Fruktan einlagern. Das Gras sollte mindestens 10 cm lang sein, wenn man mit dem Angrasen beginnt. Wie hoch der Fruktangehalt im Gras ist hängt also von vielen Faktoren ab: Temperatur, Lichtintensität, Bodenbeschaffenheit, Tageszeit. Um hier einen besseren Überblick zu bekommen anbei eine Tabelle mit

dem Fruktangehalt und seinem Zusammenhang mit dem Wetter.

 

 

 

 

 

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass ein Pferd, das schon mal an Rehe erkrankt ist, häufig ein Leben lang anfällig bleibt und besonders hier auf den geeigneten Weidegang geachtet werden muss oder sogar diesen ganz einzustellen und auf alternative Auslaufmöglichkeiten (zB befestigter Sandauslauf) umgestellt werden muss -  besonders Pferde die nicht das ganze Jahr über auf Gras stehen müssen also langsam an dieses gewohnt werden, um eine Erkrankung zu vermeiden. 

 

Dieser Beitrag stellt nur eine kleine Übersicht über das Thema dar und behandelt hauptsächlich das Thema Fruktan als einen der Auslöser für Rehe. Beim Verdacht auf Rehe ist in jedem Fall immer sofort der Tierarzt zu holen und ihm das Pferd vorzustellen. Der Beitrag ist nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und stellt keine wissenschaftliche Vollstöndigkeit dar. In diesem Sinne, bleibt gesund und wissbegierig 

 

(Bild: Pferderevue)

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